Michael Kilian

 
     

Der Tenor Michael Kilian erhielt seine erste Gesangsausbildung als Alt-Solist im Tölzer Knaben-Chor, wo ihm Knabenpartien in Opern von Mozart, Verdi, Puccini und Zimmermann früh die Arbeit mit vielen hervorragenden Künstlern an großen Opernhäusern ermöglichten. Daneben wirkte er mit an der solistischen Einspielung von Bachs H-Moll-Messe unter Andrew Parrot.
Nach dem Stimmbruch verlegte er sich zunächst auf Regie und Schauspielerei und gab in Weilheim unter Rudolf Noelte in Wedekinds Der Marquis von Keith sein Schauspieldebut. Von 1992 bis 94 war er Regieassistent an der Essener Oper. 1995 gewann er beim Landeswettbewerb Jugend musiziert in Bayern den 1. Preis. Anschließend studierte er als Tenor an der Hochschule für Musik und Theater in München und an der Bayerischen Theaterakademie bei Claes H. Ahnsjö und Thomas Moser, sowie auf Meisterkursen von Peter Schreier und Kurt Widmer. 2001 erhielt er seine Diplome in Operngesang und in Konzertgesang, 2003 das in Gesangspädagogik. Seitdem arbeitet er freiberuflich als Sänger und Stimmbildner. Gesungene Partien (u.a. im Prinzregententheater, im Theatron München, im Herkulessaal, am Opernhaus Halle, in Ingolstadt, in Vaduz und auf den Opernfestspielen der Bayerischen Staatsoper, auf Gut Immling und in Izny):
- Basilio in Mozarts Le Nozze di Figaro
- Ferrando in Mozarts Cosí fan tutte
- Tamino und Monostatos in Mozarts Die Zauberflöte
- Eselmann in Orffs Die Kluge
- Gaston in Verdis La Traviata
- Prinz in Humperdincks Dornröschen
- Freddy in My Fair Lady
- Henri in Heubergers Operette Der Opernball
- Kaiser Fenihan in Offenbachs Operette Bataclan
- Vater in Kurt Weills Die sieben Todsünden
- Alfred in Bibalos Fräulein Julie
- Wenzel in Smetanas Die verkaufte Braut
- Junker Spärlich in Nicolais Die lustigen Weiber von Windsor
- Hofnarr Folial in der Uraufführung von C.C. Bettendorfs Escorial
- Bootsmann Smy in der Uraufführung von Wilfried Hillers von Peter Pan
- Maximilian in der Uraufführung von W. Hillers Eduard auf dem Seil
- Liebhaber in der Uraufführung von Arnaldo de Felices Medusa

 

Der gebürtige Münchner hinderte schon als Dreijähriger mit einem „Nicht ausmachen!“ seinen Vater daran, den Plattenspieler nach der achten Wiederholung von Mozarts Kleiner Nachtmusik abzustellen. Damit stand fest: der Junge ist musikalisch. Dies wurde - mit einem lachenden und einem weinenden Auge - von den Eltern nach Kräften gefördert, zunächst mit Klavierunterricht und einer Knabenchorlaufbahn, die ihn recht weit in der Welt herumführte (und auch seinen kulinarischen Horizont beträchtlich erweiterte). Eine heimliche Liebe (die übrigens immer heimlich blieb…) brachte ihn dazu, Step- und Jazz-Dance zu erlernen, nur um neben der Angebeteten vor dem Spiegel zu stehen. Da er schon immer gerne und gewählt redete, was ihm zeitweise den Beinamen „Professor“ einbrachte, stürzte er sich in die Schauspielerei, gründete und leitete am Gymnasium eine Theatergruppe und war stolz wie Heino, als er nach dem Abi quasi direkt ans Essener Opernhaus als Regieassistent geholt wurde.
Weil es aber hinter der Bühne dunkler ist, als auf der Bühne, wurde diese Episode auf dem Höhepunkt abgeschlossen und in München Gesang studiert und diplomiert. Anschließend war kurzzeitig zu befürchten, dass sein breites Interessenspektrum den neugebackenen Sängerdarstellerlehrer zu einem hochqualifizierten Arbeitslosen machen könnte. Aber dank seines mangelnden Sinns für materielle Dinge gelang es ihm, die Realität und die leere Kasse lange genug zu ignorieren, bis Idealismus und Leidenschaft wieder Früchte trugen und eben jene Kasse füllten. Inzwischen kommen die Früchte gleichermaßen aus dem Lehren von Gesang und Gestaltung wie aus dem Singen und Darstellen selbst. Und immer noch hört er gerne Mozarts Kleine Nachtmusik.